Bad Bentheim
Stiegen
Stiegen
Stiegen
Historische Stiegen in Bad Bentheim einst und jetzt - ein Markenzeichen der Altstadt, die von Sandstein jeher geprägt ist. Durch die Hanglage des Bentheimer Bergrückens sind mit der immer dichter werdenden Besiedlung die Straßen und Stiegen geformt und gestaltet worden. So wurden häufig Wege zwischen Nachbarn, zum nächstgelegenen Brunnen oder zu den Wiesen, Feldern oder Gärten am Fuße des Berges in den Fels geschlagen.
Westmühlenstiege
Die Bezeichnung Westmühlenstiege soll an die erste Bentheimer Windmühle erinnern, die bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts von einem Sturm zerstört und danach nicht wiederaufgebaut wurde. Die bekannten niederländischen Maler Jacob von Ruisdael und Abraham Rademaker haben die Bockwindmühle im Ensemble mit der Bentheimer Burg skizziert.
Geblieben ist ein sichtbarer Hügel im nordöstlichen Bereich des Mühlenbergs, den man von der Westmühlenstiege erkennen kann. Besser noch, man folgt der Heeresstraße in östlicher Richtung bis zum Abzweig der Schmiedestiege und hat dort direkten Einblick auf den Hügel, auf dem die Mühle ehemals gestanden hat.
Püttenstiege
Die Püttenstiege hat ihren Namen daher, dass sie zu einem öffentlichen Brunnen, einer „Pütte“ am Grünen Weg führte, die die unmittelbare Nachbarschaft, die der westlichen Wilhelmstraße und die Bewohner des Mühlenberges mit Wasser versorgte. Nachbarn hatten das Recht, hier Wasser zu holen, aber auch an Ort und Stelle Wäsche zu waschen. War ein Brand ausgebrochen, wurde aus dem Brunnen Löschwasser geschöpft. Von dieser „Pütte“ am Grünen Weg (Grönestege) – die allerdings schon vor Jahrzehnten abgebrochen wurde – führt die Püttenstiege zur Wilhelmstraße. Die Fortsetzung der Stiege bis zum Mühlenberg wurde volkstümlich auch als Püttenstiege bezeichnet, heißt heute aber offiziell Mauerstiege.
Henrichmannstiege
Der historische Zugang zur Henrichmannstiege befindet sich hier an der Gildehauser Straße neben dem ehemaligen Gasthaus Henrichmann, nach dem die Stiege auch benannt wurde.
Ursprünglich war die Stiege eine reine Püttenstiege, die den Berg hinunter bis zum Brunnen führte und über die sich die Familie Henrichmann und wahrscheinlich auch einige Nachbarn mit Trinkwasser versorgt haben. Fragmente des alten Brunnens sind noch in einer kleinen Ausbuchtung an der Stiege zu sehen. Heute kann man der Stiege – am Brunnen vorbei – bis zur Hofstiege folgen, über die man dann Richtung Schlosspark auch zum Sandsteinmuseum gelangen kann.
Funkenstiege
Die Funkenstiege – benannt wahrscheinlich nach einem ehemaligen Anlieger „Funke“. Hier kann man den von der Schloßstraße zum Norden in die Funkenstiege hinein genießen. Der ansonsten durch enge Bebauung geprägte Schluchtcharakter der Bentheimer Stiegen wird bei der Funkenstiege naturgegeben durch die den Weg begrenzenden Sandsteinformationen bestimmt: die gewaltigen Natursteinfundamente der Burg auf der einen Seite und der aufsteigende Fels auf der anderen Seite. Umrahmt vom Blattwerk des den Weg säumenden, alten Baumbestandes, entschwindet die steil abfallende Stiege wie in einem Tunnel am Fuße des Berges. An der Ecke zur Schloßstraße, in unmittelbarer Nähe des Wegweisers, stand früher eine Pumpe, über die sich die Anwohner am Herrenberg mit Wasser versorgten. Der dazu gehörige Brunnen wurde schon vor Jahrzehnten verschlossen.
Auf halbem Weg zum Fuße des Berges führt rechter Hand ein steiler Weg zum sagenumwobenen Drususfelsen bzw. Teufelsohrkissen. Am Ende des steilen Gefälles der Stiege tut sich am linken Wegesrand ein Ensemble von historischen Ankerbalkenhäusern auf. Hier kann man im Schatten der Burg rasten und verweilen. Wer mehr über das Bentheimer Gold bzw. die Historie des Sandsteinabbaus erfahren möchte, der sollte sich den Besuch des Bentheimer Sandsteinmuseums auf der anderen Seite der Stiege nicht entgehen lassen.
Nur dieser – eben beschriebene – oben vom Berg herabführende Abschnitt des Weges hat den Charakter einer Stiege. Der sich anschließende – westlich am Funkenkamp/ Schloßpark vorbeiführende, zur Straße ausgebauter – Stiegenverlauf weist kaum Gefälle auf. Die Funkenstiege endet vor den Gleisen der Bahnverbindung in die Niederlande. Dass von alters her das Vieh der Einwohner der westlichen Bentheimer Altstadt über diese Stiege in den Wald getrieben wurde, lässt sich heute nur noch erahnen, wenn man am Ende der Stiege hinter dem Gleiskörper der Bahn die Bäume des sich anschließenden Bentheimer Waldes wahrnimmt.
Vahrenhorststiege
Die Vahrenhorststiege, so benannt nach dem um 1779 erstmals urkundlich erwähnten und Ende des letzten Jahrhunderts geschlossenen Gasthof Vahrenhorst, dessen Gebäude bereits abgerissen wurden.
Die Vahrenhorststiege ist als eine der jüngeren Stiegen der Altstadt mit der Abtragung des Felsens unterhalb des Schlosses und der Neugestaltung des Herrenberges um 1860 entstanden. Sie stellt eine wichtige Verbindung von der Wilhelmstraße zum Herrenberg bzw. in die Schloßstraße dar und ist von dort aus gekoppelt mit der Funkenstiege am Nordhang.
Synagogenstiege
Die Synagogenstiege – benannt zur Erinnerung an die in der Reichskristallnacht zerstörte Bentheimer Synagoge, die unmittelbar der Stiege gegenüber an der Wilhelmstraße gestanden hat.
Der steile Aufgang zum Herrenberg am Fuße der Burg mit dem romantischen Blick auf das Schloss ist mit in Naturfels gehauenen Treppen, Absätzen und Regenwasserrinnen stufenförmig gestaltet. Es ist die letzte Etappe des vom Süden über die Lingerstiege, westliche Hellendoornstiege, Wilhelmstraße und Synagogenstiege kürzesten Aufstiegs zum Schloss, zu Fuß oder mit Pferd.
Westliche Hellendoornstiege
Die westliche Hellendoornstiege – benannt nach der Familie Hellendoorn, die in den angrenzenden Gebäuden eine Druckerei und den Verlag der früheren Bentheimer Zeitung sowie ein Schreibwarengeschäft betrieben hatte.
Die Stiege ist die Verlängerung der Lingerstiege und verbindet die Kirchstraße mit der Wilhelmstraße. Sie ist ein Teilstück der aus dem Süden kommenden kürzesten Verbindung zum Schloss (Lingerstiege – westl. Hellendoornstiege – Wilhelmstraße – Synagogenstiege).
Östliche Hellendoornstiege
Die östliche Hellendoornstiege – früher Frankenstiege und später Wagner-Stiege, heute nach der im rechts angrenzenden Haus lebenden Familie Hellendoorn benannt – ist mit den Jahren zu einem romantischen Laubengang für Fußgänger geworden.
Ihr Ursprung als Kirchenstiege dürfte bis in das 14. Jahrhundert zurückreichen, als dort das erste Kirchengebäude (1321) erbaut wurde. Auch heute wird die Stiege von den evangelisch-reformierten Kirchgängern als Weg zum Gotteshaus genutzt.
Lingerstiege
Die Lingerstiege hieß vor dreihundert Jahren noch „Loeninger Stiege“ und erhielt ihren Namen wahrscheinlich von dem Schloßkaplan und ersten lutherischen Hofprediger in Bentheim, Johann van der Loan“, der um die Mitte des 16. Jahrhunderts die angrenzende Pfarrei bewohnte.
Aus „Loeninger Stiege“ wurde im Laufe der Zeit „Lingerstiege“. Vom Süden herkommend war die Lingerstiege mit Anschluss an die westliche Hellendoornstiege, die Wilhelmstraße und die Synagogenstiege der kürzeste und schnellste Weg zum Schloss, der sowohl zu Fuß als auch mit dem Pferd genommen werden konnte. Am oberen Ende der Lingerstiege, vor der Ecke zur Kirchstraße, befand sich eine Pütte, aus der sich die Anwohner der Nachbarschaft der Lingerstiege, Kirchstraße und wahrscheinlich auch der östlichen Wilhelmstraße mit Trinkwasser versorgten.